21. September 2020

Rund Bornholm

Ein Bericht von: Anika Roder, WSC Klare Lanke, Berlin:

Eine Insel mit vielen Gesichtern

– 22.07.2020 bis 02.08.2020 –

Der Corona-Pandemie zum Trotz und dank diverser Lockerungen im Tourismusbereich der meisten europäischen Länder konnten wir im Juli 2020 unsere Reise nach Bornholm zwecks Umrundung der Insel antreten.

1. Tag: Anreise

Da die Einreise nach Dänemark nur mit einer gültigen Reservierung für mindestens 6 Nächte möglich war, buchte unser bestorganisierter Fahrtenleiter Udo sechs Nächte auf dem Zeltplatz Sannes Familiencamping in Gudhjem für uns. Die Anreise erfolgte bei schönstem Sonnenschein mit der Fähre von Sassnitz nach Rönne (Fahrzeit ca. 3 Stunden). Dank der Reservierungsbestätigung wurden wir am Zielort tatsächlich an Land gelassen.

Die Fahrt zu unserem Zeltplatz nutzen wir zur Besichtigung der typischen Bornholmer Rundkirchen in Nyker (die zu dieser Uhrzeit bereits verschlossen war und daher zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgesucht werden sollte) und Österlars. Die zweite stand zur Besichtigung offen und gab auf Schautafeln einen kleinen historischen Abriss über den Ursprung der Rundkirchen auf Bornholm. Die Besteigung des Turmes bot nicht nur einen tollen Blick über die nähere Umgebung, sondern gewährte auch beeindruckende Einblicke in die alte Dachkonstruktion.

Angekommen auf dem Sannes Familiencamping Zeltplatz, durften wir feststellen, dass es sich bei diesem 4-Sterne-Zeltplatz um eine äußerst luxuriöse Anlage handelt. Neben tollen Sanitäranlagen (die Familienduschräume sind absolut empfehlenswert!), Küchen-/Speiseraum mit diversen Abwasch- und Kochbereichen inclusive Backöfen, gab es auch eine Speiseterrasse mit mehreren Grillmöglichkeiten, einen Pool mit Rutsche und sogar einen Minigolfplatz.

Der Platz verfügt zwar nur über einen recht kleinen Sandstrand, der überdies auch noch mit Steinen gesäumt ist, die Felsenklippen drumherum laden jedoch dazu ein erobert zu werden. Die Stellplätze nahe des Strandes sind aufgrund der ebenen Beschaffenheit des Bodens den Campingwagen vorbehalten, sodass wir nicht – wie sonst bei Paddlern gerne gesehen – unsere Boote bei den Zelten lagern konnten. Dafür thronten drei unserer reservierten Zeltplätze nebeneinander direkt an den Felsen am Wasser. Aufgrund der geringen Größe unserer Zelte konnten wir unsere sieben Zelte gemütlich gedrängt auf diesen drei Plätzen aufbauen und die restlichen vier reservierten Plätze eintauschen gegen eine bis zu unserem Urlaubsende andauernde Buchung dieser drei Plätze. Dies bot uns die Möglichkeit auch bei einem wetterbedingten Abbruch der Umrundung zu diesem Zeltplatz zurückzukehren.

2. Tag: Gudhjem nach Grisby 17 km – 4 Bft aus W

Bei Sonnenschein und Rückenwind fuhren wir zunächst nach Svaneke, um dort unsere Mittagspause zu verbringen. Der Ausstieg ist an einer Rampe am Hafen möglich und der Ort bietet vielfältige Möglichkeiten, den Appetit zu stillen. Unsere anschließende Weiterfahrt führte uns vorbei an dem völlig überfüllt wirkenden Zeltplatz hinter Svaneke, sodass wir unsere Fahrt entgegen der eigentlichen Planung fortsetzten und das Ufer nach einer Übernachtungsmöglichkeit absuchten. An einem Betonsteg bot sich ein kleiner Kiesstrand zum Anlanden an. Die Besitzerin des angrenzenden Ferienhauses erlaubte uns sogar -nach netter Intervention unseres mitreisenden Kommanders- unsere Zelte auf der benachbarten Wiese aufzubauen.

Als ich jedoch am nächsten Morgen nach dem Aufwachen zwei dicke Zecken auf der Außenseite meines Innenzelte entlanglaufen sah, stellte ich die Priorität eines weichen Untergrundes doch sehr in Frage.

Nach einem frühmorgendlichen Regen verstauten wir unsere Zelte nass in unseren Booten und machten uns auf den Weg nach Dueodde.

3. Tag: Weiterfahrt nach Dueodde 21 km – 4 – 5 Bft. aus südöstlicher Richtung

Nach gemütlichem Start führte uns dieser Tag zunächst in den Hafen von Nexo. An einer Rampe ist hier der Ausstieg mit einem Gang zu den dortigen Toiletten möglich.

Die spätere Mittagspause wurde bei strömendem Regen in Snogebaek in einem Imbiss absolviert. Die Kajaks lagerten derweil am Strand in der Nähe.

Bereits kurz nach unserem erneuten Start brandeten im flachen Bereich kleine Brandungswellen an, die die Spaßtouristen unter uns zum Üben des Seitwärtssurfs einluden, aber den weniger Vergnügungssüchtigen dennoch die Möglichkeit gewährten, außerhalb der Brandung zu fahren. Unbemerkt wurden die Wellen höher und der Brandungsbereich immer breiter. Schließlich wurde das Umfahren der Brandungszone immer schwerer und eine unverschämte, brechende Welle brachte einen von uns zum Kentern. Die herannahende Unterstützung erlitt leider das gleiche Schicksal, sodass es galt zwei Kanuten aus der Brandungszone zu bergen. Der eine Paddler wurde mitsamt seinem Boot von zwei Kanuten an Land geschleppt, dem anderen gelang der Wiedereinstieg. Offensichtlich führen regelmäßige Kenterübungen tatsächlich zum Erfolg und erleichtern im Notfall die Rettung! Auf dem Weg zum Strand gelang es uns glücklicherweise noch, alle während der Rettung verloren gegangenen Gegenstände wieder einzusammeln. Das gute Befestigen aller mitgeführten Teile scheint nicht Teil der Kenterübungen gewesen zu sein 😉

Bei einem kleinen Spaziergang zur südlichen Landspitze stellte sich heraus, dass die Brandung immer stärker, höher und breiter wurde und der Wind sogar noch mehr zugenommen hatte.

Daher beschloss Udo, dass wir, entgegen unserer eigentlichen Planung bereits hier die Weiterfahrt abbrechen und die Nacht am Strand verbringen würden. Da unser Rastplatz in der Nähe des Strandzuganges von Dueodde lag und es noch zu früh zum Aufbauen der Zelte war, bot sich ein Spaziergang in den Ort an.

Bei einem kühlen Getränk hatten wir die Gelegenheit unser Handeln zu analysieren und über potenziell bessere Möglichkeiten der Rettung nachzudenken. Letztendlich blieb jedoch die Gewissheit, dass wir als Gruppe sehr gut zusammen agiert hatten und auf jeden einzelnen Verlass gewesen war. Ein beruhigender Gedanke für die weiteren Paddeltage!

4. Tag: Umrundung der Südseite bis hinter Rönne 34 km – 3 Bft.

Aufgrund des verfrühten Fahrtenabbruches vom Vortag stand uns an diesem Tag eine längere Strecke bevor, die zu größeren Teilen auch noch gegen den Wind führte.

Die kurze Mittagspause in Arnager wurde nicht nur zur Stärkung, sondern auch zur Lösung von Problemen mit einem festgeklemmten Skeg und einem gerissenen Steuerseil genutzt.

Anschließend setzten wir unsere Fahrt fort und landeten abends am Strand oberhalb von Rönne an, wo wir erschöpft unsere Zelte mit Blick auf die Brandung aufbauen konnten. Dank des Hinweises eines Strandspaziergängers nicht zu nahe am Wasser zu zelten, stellten wir unsere Zelte so weit wie möglich entfernt vom Wasser auf. Bei diesem schmalen Strand kein ganz einfaches Unterfangen. Jedoch brachte jedes einfahrende Fährschiff ca. 15 Minuten nach der Vorbeifahrt eine wie aus dem Nichts auftauchende Brandungswelle mit sich, die den Strand doch deutlich höher überspülte, als man es erwarten würde. 

5. Tag: Weiterfahrt nach Sandvig 24 km – zunächst 3 Bft später ca. 5 Bft

Unsere Fahrt nach Sandvig wurde zunächst kurzzeitig erneut von dem Steuerseilproblem unterbrochen, so dass wir Gelegenheit hatten, den kleinen Ort Helligpeder zu erkunden.

Bei der anschließend Weiterfahrt zogen, kurz bevor wir den Hafen von Hammerhavn passierten, recht dunkle Wolken auf, die einen ordentlichen Wind mit sich brachten und zu einer etwas unruhigeren See führten. Um zu verhindern, dass uns noch stärkere Wellenbewegungen beim Passieren der Steilküste hinter Hammerhavn erwischen, landeten wir im Hafen an. Mit Überraschung stellten wir fest, dass der dortige Imbiss auffallend gute Sandwiches im Angebot hatte. Der Gedanke an diese Sandwiches sollte uns in den nächsten Tagen noch zweimal nach Hammerhavn führen.

Nachdem die Schlechtwetterzone vorbeigezogen war, setzten wir unsere Fahrt fort. Entspannt landeten wir am Strand vom Zeltplatz in Sandvig an und buchten unsere Zeltplätze für zwei Nächte, um die tolle Lage zum Erkunden der dortigen Umgebung auszunutzen. Der Transport der voll beladenen Kajaks mittels Bootswagen zu unseren zugewiesenen Zeltplätzen erwies sich jedoch als etwas beschwerlich.

6. Tag: Wanderung über den Küstenwanderweg nach Hammerhavn

Zu Fuß wanderten wir über den Küstenwanderweg nach Hammerhavn und kamen dort erneut in das Vergnügen der köstlichen Sandwiches.

Anschließend ging es vorbei am Diamantsee zurück zum Zeltplatz. Bei gutem Wetter lohnt es sich hier Badesachen im Gepäck zu haben, da in dem See nicht nur gebadet werden kann. Mittels einer Seilbahn kann man von einem höher gelegenen Felsen ins Wasser rutschen oder von einem hohen Felsen den Sprung ins kalte Nass wagen. Nach unserer Rückkehr zum Zeltplatz suchte der Großteil der Gruppe Erfrischung und nutzte den großen Strand zum Baden.

Glücklicherweise fand sich eine unermüdliche Mitpaddlerin, die mich für eine kleine Paddeltour begeisterte. Gemeinsam fuhren wir zurück nach Hammerhavn und konnten bei ruhiger See gemütlich den bekannten Kamelfelsen umrunden. Auf der Anfahrt boten sich viele Möglichkeiten, das fahrerische Können an der Umrundung diverser kleiner Felsblöcke zu testen.

7. Tag: Letzte Etappe zurück nach Gudhjem 22 km – ablandige 5 Bft

Der letzte Teil unserer Umrundung führte von Sandvig nach Gudhjem.

Die große Bucht vor dem Hafen von Gudhjem kürzten wir ab, da der Wind aufgefrischt hatte und wir eine längere Strecke mit nicht unerheblichen Seitenwellen vermeiden wollten.

So schoben uns die Wellen von hinten voran und wurden insbesondere zum Ende Bucht etwas unangenehm. Bei der Ankunft am Zeltplatz stellten wir mit Freude fest, dass unsere drei Plätze am Wasser tatsächlich auf uns gewartet hatten.

8. – 10. Tag: Kurze Touren Rund
Gudhjem und Ausflüge in die nähere
Umgebung

Da das Wetter der nächsten Tage bei 6-7er Wind nur wenig Möglichkeiten bot, aufs Wasser zu kommen, erkundeten wir Bornholm von Land aus. Bornholms Kunstmuseum riss mich als Kunstmuffel zwar nicht vom Hocker, lockte mich aber durchaus mit seiner trockenen und warmen Umgebung, während es außerhalb schüttete und windete.

Das Personal der dortigen Cafeteria erforderte zwar eine gehörige Portion Geduld, entschädigte jedoch durch äußerst schmackhafte Speisen. Beim Verlassen des Museums gab es sogar noch eine Skulptur, die selbst mich überzeugte.

Bei plötzlichem Sonnenschein setzten wir anschließend unseren Weg zu Fuß entlang der Steilküste fort. Von der Schönheit des Weges begeistert, entschloss sich der größte Teil der Gruppe, zu Fuß nach Gudhjem zurückzukehren. Zwei Teilnehmer mussten leider den Weg mit dem Auto bestreiten, damit diese nicht am Ort stehen blieben. Wir trafen uns am Hafen von Gudhjem wieder, um in den Genuss von einem echten „Bornholmer“ zu kommen. Dieser inseltypische Räucherhering wird zusammen mit Schwarzbrot und Roter Beete verzehrt.

Am nächsten Tag fuhren wir (nach einer kleinen Early-Morning-Paddelrunde) mit dem Auto nach Hammerhavn. Von dort liefen wir hoch zur alten Burganlage und kehrten anschließend für einen kleinen Snack wieder an dem wohlbekannten Imbiss ein. Anschließend fuhren wir zum NaturMuseum Bornholm. Kindgerecht wird hier die Entstehungsgeschichte Bornholms dargestellt. Leider befanden sich keinerlei Kinder in unserer Gruppe. Der Rückweg erfolgte über die Fischräucherei in Svaneke. Eine der wenigen noch verbliebenen original erhaltenen Räuchereien auf der Insel.

Das Kulturhistorische Museum war am folgenden Tag unser Ziel. Unterwegs passierten wir wieder die Nyker Rundkirche. Wir nutzen die Öffnungszeit und besichtigten die Kirche. Dank des Überzeugungstalentes von unserem Orgelspieler Uli, durfte er uns eine kleine Kostprobe seines Könnens an der Kirchenorgel geben. Dies macht diesen Kirchenbesuch sicherlich zu einem besonderen Erlebnis.

Das Kulturhistorische Museum hat seine Ausstellungsstücke leider überwiegend nur in Dänisch beschriftet. Auch handelte es sich eher um eine Ausstellung von Ausgrabungsfunden als um eine mitreißende Einführung in die Besiedlung der Insel. Des Weiteren werden alte Uhren und Werkzeuge gezeigt, aber die tatsächlichen Beweggründe der Bewohner kommen zu kurz. Die Sonderausstellung zur Rolle Bornholms im zweiten Weltkrieg zeigte jedoch interessante neue und auch bedrückende Gesichtspunkte.

Zurück auf dem Zeltplatz klang der Tag für mich mit einer kleinen Paddelrunde bei wieder ruhigerer See entspannt aus.

11. Tag: Christiansö und zurück 38 km bei 2-3 Bft aus zunächst westlicher, später östlicher Richtung

Überraschend hatte sich die Windprognose für den Samstag bewahrheitet und der Tag präsentierte sich mit einem herrlichen Sonnenaufgang über einer glatten See. Daher entschieden sich drei von uns, die bereits gebuchten Fährtickets nicht wahrzunehmen (freundlicherweise wurde sogar der Preis erstattet) und stattdessen zu den Erbseninseln zu paddeln. Aufgrund des klaren Wetters waren die Inseln sogar die ganze Fahrt über in Sicht, sodass der Kompasskurs nur zierendes Beiwerk war.

Auf der Insel wurden wir von dem Rest unserer Gruppe begeistert und begeisternd in Empfang genommen, die uns zu dem bereits ausgekundschafteten Anlandeplatz im Hafen lotsten. Gemeinsam erkundeten wir bei herrlichem Sonnenschein die Insel und besichtigten den dortigen Zeltplatz im Norden der Insel.

Der Platz ist zwar mit dem Kajak nicht zu erreichen, es stehen jedoch Karren zum Transport des Gepäckes bereit.
Nach einem Mittagessen am Hafen stiegen wir wieder in unsere Boote und machten uns auf den Rückweg. Durch die Sonne erschien Bornholm etwas diesig und schwer erkennbar. Aber mit Hilfe eines Kompasskurses war Gudhjem problemlos zu orten und auch nach einiger Zeit zu erkennen. Am Strand wurden wir wieder vom Rest unserer Gruppe in
Empfang genommen. Der Rest des Tages war dann leider dem Aufladen der Boote und der Vorbereitung der Abreise des nächsten Tages gewidmet.

12. Tag: Rückreise

Das Weckerklingeln um 05.00 Uhr war das unerfreuliche Zeichen, dass der Urlaub tatsächlich zu Ende war. Pünktlich erreichten wir die Fähre und wurden dort mit einem tollen Frühstücksbufett belohnt. Nach zwölf Tagen aktiver Erholung im Kreise einer tollen Gruppe konnte mich auch der Rückweg nach Berlin über diverse Umleitungen nicht mehr aus der Ruhe bringen. Leider war die Rückreise nach Hamburg für den Rest der Gruppe wohl auch
nicht entspannter. Es bleibt die Erinnerung an eine tolle Insel, die viele wunderschöne und nahezu kitschige Eindrücke hinterlässt.