5. Dezember 2020

Poel – Ein toller Ersatz für Rügen

Ein Bericht von: Anika Roder, WSC Klare Lanke

In diesem Jahr sollte endlich mein lang ersehnter Traum von einer Rügenumrundung in Erfüllung gehen. Zwei tolle Mitpaddlerinnen hatten sich gefunden und wir drei hatten für Anfang Juni zehn Tage Urlaub in unseren Kalendern eingeplant. Doch dann kam leider alles anders und insbesondere die Corona-Pandemie sorgte für ordentliches Durcheinander. Zunächst musste die Tour aufgrund veränderter Arbeitsbedingungen um zwei Wochen nach hinten verschoben werden. Als die freie Zeit sich dann auch noch auf 3,5 Tage verkürzte war klar, dass es für die Umrundung von Rügen nicht mehr reichte.

Poel stellte sich bald als guter Ersatz dar und fand bei uns allen drei Zustimmung. Da Mecklenburg-Vorpommern zur Zeit unserer Reise nur Urlauber ins Land ließ, die eine Unterkunft vorweisen konnten, verabschiedeten wir uns von der Idee einer Wanderfahrt und suchten uns ein festes Standquartier. Da beim TSG Wismar zeitgleich eine große Ausfahrt mit maximaler Teilnehmerzahl stattfand, konnten wir dort leider nicht unsere Zelte aufschlagen. Sehr hilfsbereit wurden wir jedoch auf den Campingplatz „Möwe“ auf dem Boiensdorfer Werder hingewiesen.

Eine schriftliche Reservierungsbestätigung, die wir im Falle einer polizeilichen Kontrolle hätten vorweisen können, gab es hier zwar nicht, aber ansonsten erwies sich diese Behelfslösung als absoluter Glücksgriff. Der sehr geräumige Campingplatz ist zwar recht einfach ausgestattet, hat aber eine optimale Lage für Umrundungen von Poel, Wustrow oder auch Unterlandfahrten bei stärkerem Wind von Seeseite. Auf drei großen, nahezu leeren Zeltplatzwiesen konnten wir uns den Stellplatz unserer Zelte selbst aussuchen und eine große Holzhütte gab uns bei Regen die Möglichkeit im Trockenen zu essen. Von den Zeltplatzwiesen ist es zwar etwas weiter zu dem Naturstrand (der gute Einstiegsbedingungen bietet), aber man hat dafür genügend Abstand zu den Wohnwageninsassen mit ihrer Vorgartenidylle

Da unsere dritte Mitpaddlerin erst am Abend zu uns stoßen wollte, starteten wir zunächst zu zweit zu einer etwas verregneten Erkundung der Breitlinger Zaufe. Die Insel Poel bot uns dabei optimalen Wind- und Wellenschutz. Wir umrundeten die kleine Insel „Grot Deil“ und machten uns auf den Rückweg.

Ein technisches Problem verhinderte zunächst die Abfahrt unserer dritten Mitfahrerin. Noch am späten Freitag Abend gelang es ihr jedoch eine Werkstatt ausfindig zu machen, die den Schaden am selben Abend (deutlich außerhalb der normalen Arbeitszeit) behob und damit die Anreise am Samstag Morgen ermöglichte. Wir nutzen den Abend zunächst für einen Spaziergang am Strand vom Boiensdorfer Werder und versteckten uns anschließend vor dem wiedereinsetzenden Regen in der Holzhütte.

Der Samstag begann zunächst sonnig, schlug gegen Mittag, als wir endlich zu dritt in See stechen konnten, wieder in leichten Nieselregen um. Unter Ausnutzung der Wind- und Wellenverhältnisse befuhren wir das Salzhaff südöstlich von Wustrow. Aufgrund der späten Startzeit kamen wir jedoch nur bis auf gut einen Kilometer an Rerik heran.

Am Sonntag zeigte sich das Wetter gnädig und bescherte uns weniger Wind und viel Sonne. Der Umrundung von Poel stand dadurch nichts mehr im Weg. Wir starteten über die Breitlinger Zaufe und erreichten schließlich die Bucht vor Wismar. Hier bot sich durch viele Segelschiffe, die aus Wismar kommend die Ostsee ansteuerten, ein bunter Anblick. Bei leichter Welle von schräg vorne fuhren wir entlang des Naturschutzgebietes am „Fauler See“. Nach Erreichen des öffentlichen Strandes machten wir eine Essens- und Badepause.

Anschließend zog es uns weiter zum Hafen von Timmendorf, um hier in „Krönings Fischbaud“ dem Fischgenuss zu frönen. Gesättigt machten wir uns auf den Weg den Rest der Insel zu umrunden. Der Wind war inzwischen fast vollständig eingeschlafen und ließ karibische Gefühle aufkommen. An der Nordspitze von Poel machten wir erneut eine Badepause, um anschließend zufrieden zu unseren Zelten zurück zu kehren.

Auf der großen Wiese am Badestrand ließen wir den Tag bei einem herrlichen Sonnenuntergang ausklingen.

Am Montag begrüßte uns erneut die Sonne mit einem wieder etwas stärker gewordenen Wind. Nach dem Abbau der Zelte starteten wir durch das sehr flache und mit Steinen übersäte Kuhlenloch, umrundeten Langenwerder und fuhren auf der Seeseite ein Stück entlang von Wustrow. Hier führt die Bojenmarkierung des gesperrten Bereiches sehr weit hinaus auf die See, was aus der mitgeführten Karte eher nicht hervor ging. Da man an Wustrow nicht anlanden darf, zog es uns zurück zur Nordspitze vom Boiensdorfer Werder. Die Wellen liefen zwar genau in unsere Richtung und hatten eine schöne Höhe zum Surfen, waren hierfür jedoch leider etwas zu kurz. Kurz vor unserem Pausenpunkt begrüßten uns zwei Robben, von denen uns die eine sogar zuwinkte. Die Robben ließen uns erfreulich nahe herankommen und bezogen sofort nachdem wir vorbei waren wieder ihren Posten auf den Steinen.

Wir beendeten unseren letzten Paddeltag mit einem Abstecher zur Spitze des Landschaftsschutzgebietes bei Teßmannsdorf und kehrten anschließend zum Startpunkt zurück.

Ohne weitere technische Probleme gelang uns erfreulicherweise die Rückfahrt nach Berlin. Poel und auch der Campingplatz Möwe hat uns allen sehr gut gefallen. Wir kommen mit Sicherheit wieder, um diese tolle Landschaft und das schöne Paddelrevier zu genießen!