18. September 2021

Die Pagen-Sinfonie in 2 Akten

Ein Bericht von Annett Bossin, WSC KLare Lanke, Berlin

Auftakt

Nachdem die Zeit der Einschränkungen durch die Pandemie langsam vorüber zu gehen schien, zog es mich in die Ferne. Über den Veranstaltungskalender des DKV kam ich auf die Website des Vereins der Itzehoer Wasserwanderer. Der Verein plante für das nächste Wochenende eine Fahrt auf  der Stör elbabwärts nach Pagensand und am nächsten Tag wieder zurück. Schon mehrmals lockte mich die Insel – diesmal sollte es klappen. Die Wetterprognose sagte mildes Wetter voraus. Doch das änderte sich. Der Wind wurde mit 6 und 7 bft zu stark. Der Verein plante um.

1. Akt – Auf der Stör – ohne Stöhr – aber mit Tide …!

Nun stand als Alternative eine Fahrt auf der Stör in die andere Richtung an  –  ein großer Vorteil dieses tidenabhängigen Wiesenflusses. Auch wenn ich nun doch nicht am Strand von Pagensand anlanden sollte, schnallte ich mein Boot aufs Autodach und fuhr nach Itzehoe. Dort erwartete mich eine sehr nette Gruppe von 8 Leuten. Wir fuhren mit etwa 4 km/h Strömung bei ablaufendem Wasser erst durch die Marsch, dann am Geestrücken vorbei nach Kellinghusen.

Hier schwächte sich der Einfluss der Tide so sehr ab, dass wir gegen die Strömung anpaddeln mussten.
Nach insgesamt 26 km erreichten wir eine Wiese, bauten unsere Zelte auf und richteten es uns am Grill ein.

Am nächsten Tag starteten wir etwas früher als geplant, weil der Wind auffrischen sollte. Um 14:11 sollte NW in Itzehoe sein. Dann wollten wir zurück sein, um am Vereinshaus in Itzehoe  aussteigen zu können. Fast die ganze Strecke kämpften wir gegen den Wind an. Hier und da ein netter Plausch und nach etwa 3 h waren wir schneller als geplant in Itzehoe. Es war eine wunderbare Gruppe, in der ich mich sofort willkommen gefühlt habe. Deshalb meldete ich mich schon bald für die nächstmögliche Fahrt nach Pagensand an.

2. Akt – Von Hamburg nach Itzehoe über Pagensand

Im August ging es los. Eine Gruppe von 9 Paddlern traf sich  eines Freitagsmorgen in Itzehoe. Boote und Gepäck aufgeladen, ging es von Itzehoe nach Hamburg in den Eichenpark an der Außenalster.

Die Boote wurden ohne große Eile beladen und 15 Minuten vor dem geplanten Start saßen alle in ihrem Boot. Es ging zunächst durch unzählige Fleete und unter Brücken hindurch wieder hinein in die Außen- , dann in die Binnenalster über die Rathaus- und Schaartorschleuse in die Speicherstadt.

Leider wurde dort gebaut, so dass wir nur einen sehr kurzen Blick in die Speicherstadt werfen konnten, doch ihr besonderer Charme wurde schon hier sichtbar. Mehrmals sahen wir auf den nächsten Kilometern die Elbphilharmonie, dann ging es durch die Barkassenstraße seitlich des Hamburger Hafens mit seinen – zum Glück – in sicherer Ferne zu erkennenden Kränen. Dicht an dicht stehen sie dort und darunter die Containerschiffe. Ich war froh, nicht an den riesigen Kolossen vorbei zu müssen und freute mich über den welligen Fahrspaß, den uns die Barkassen bereiteten.

Vorbei an einem kleinen Leuchtturm, der einst auf Pagensand stand und nun Teil des Museumshafens an der Elbe ist, fuhren wir entlang der sandigen Elbstrände und dem Testgelände von Airbus. Unsere Zeltstelle am Hamburger Turnverein in Blankenese (20 km seit unserem Start in Hamburg) erreichten wir etwa 2 Stunden nach ablaufendem Wasser

Das war nun leider nicht von Vorteil, denn hier ragte der Sandstrand kaum in die Elbe ein. Vielmehr erschwerte uns der Schlick den Ausstieg. Wir trugen unsere Boote samt Gepäck mit jeweils 4 Leuten etwa 300 m. Wer einmal hier auf diesem Zeltplatz mit kleinem Luxus (Toiletten, Duschen, einer Outdoorküche mit Kühlschrank und allerlei Getränke zum fairen Preis) nächtigen möchte, sollte den Wasserstand berücksichtigen. Doch machbar war das Tragen letztendlich auch – und nachdem wir unsere Zelte aufgestellt und uns einen frischen Kaffee gekocht hatten, auch schnell wieder vergessen.

Am nächsten Morgen ging es dann kurz nach Hochwasser elbabwärts vorbei am Unterfeuer Rissen, hin zu einer besonderen Attraktion: dem Schiffsbegrüßungssteg bei Wedel – Willkomm Höft genannt.

Hier werden die in den Hamburger Hafen einlaufenden Schiffe aus der ganzen Welt willkommen geheißen: in der Sprache des Landes für das das jeweilige Schiff fährt und mit seiner Nationalhymne! Und genauso wird es verabschiedet, wenn es den Hafen wieder verlässt.

Vorbei an Lühesand ging es dann entlang des Tonnenstrichs, damit wir die Strömung der Tide ausnutzen konnten, weiter nach

P-A-G-E-N-S-A-N-D. Da lag sie nun vor mir – eine bewaldete Sandinsel. An der südlichen Spitze steht nun ein kleiner Turm mit Licht. Der Leuchtturm wurde ja nach Hamburg umgesiedelt.

Auf einem Inselerkundungstour erfuhr ich – wie auch auf der gesamten Fahrt immer wieder – spannendes über Menschen, die hier einst lebten, wie sich die Landschaft veränderte und was sich hinter den Ufern der Elbe nur zeigt, wenn jemand davon zu erzählen weiß. Wer das alles erfahren möchte, sollte sich unbedingt auch einmal den Itzehoer Wasser-Wanderern anschließen. Hier in ihrem Revier kennen sie sich aus und erzählen gern und begeistert viele Geschichten. Aber nicht nur von der Elbe. Sie sind weit gereist und kennen viele Paddelreviere weit über unsere Landesgrenzen hinaus!

Am nächsten Tag ging die Fahrt weiter – mit Beginn des ablaufendem Wasser in der Mittagszeit. So blieb am Vormittag Zeit, den Regen abzuwarten, zu baden und alles in Ruhe zusammenzupacken. Auf der Niedersachsen zugewandten Seite von Schwarztonnensand sonnte sich nun ein Seehund und sah uns neugierig zu als wir ruhig vorüberglitten. Hier schien er sich wohl zu fühlen, denn auch das trockenfallengelassene Segelboot störte ihn nicht. Nach einiger Zeit passierten wir das Fahrwasser der Fähre zwischen Glückstadt und Wischhafen. Nun konnten wir bereits unser Pauseplätzchen – die Brammer Bank sehen. Wir waren ca. 25 km gefahren – beinahe windstill – anders als vorausgesagt.

Auch auf dieser Sandbank sonnten sich im südlichen Bereich zahlreiche Seehunde. In weiter Entfernung zu ihnen, gegenüber des Mündungsbereiches der Stör, legten wir an.  Ein Blick zurück ließ elbaufwärts noch immer die nördliche Spitze von Pagensand erkennen. Aus Itzehoe kamen uns nun einige Vereinsfreunde entgegen.

Nach einer gemeinsamen Pause fuhren wir zusammen die 23 km zum Vereinshaus die Stör entlang – natürlich mit auflaufender Tide. Ein völlig neuer Charakter prägt hier die Landschaft. Ein  Wiesenfluss zieht durch die Marsch, Schafe und Kühe schauen uns nun zu und hier und da weht eine Prise frischer Landluft.

Ausklang

Die Itzehoer trafen sich am Abend noch zum gemeinsamen Essen. Für mich wurde es Zeit, mich zu verabschieden und auf den Weg zurück nach Berlin zu machen.

Vielen Dank, liebe Itzehoer, für diese schöne Reise! Es war meine erste nach Pagensand – doch gewiss nicht die letzte …

Veranstalter: Itzehoer Wasser-Wanderer www.itzehoer-wasser-wanderer.de