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Kurs EPP 3 (Küste) 2018 mit Udo Beier

1. Teil: Theorie und Schwimmbadübungen in Hamburg

Boote verladen an einem Freitagnachmittag im März bei Schneetreiben. Booteverladen ? Bei einem Theoriekurs ? Ja, denn es werden für die Schwimmbadübungen Boote benötigt und außerdem möchte Udo die Boote auf ihre Seetauglichkeit inspizieren. Aber dazu später mehr…
Während ich noch überlege, welche Auswirkung Streusalz wohl auf meinen Bootslack hat, hört es schon nach wenigen Kilometern auf zuschneien und es bleibt den Rest des Wochenendes zwar trocken, aber sogar in Hamburg bitterkalt. Als kleine Entschädigung scheint jedoch fast durchgehend die Sonne.

Nach unserer Ankunft in Hamburg startet am nächsten Morgen der überaus gut besuchte Workshop Küstenkanuwandern um 09.30 Uhr. Überaus kurzweilig lernen wir die Grundlagen über Seetüchtigkeit (nicht nur beim Kajak) Wetterkunde, Navigation und vor allem Fahrtenplanung. Wer hier mit Schätzwerten aufwartet, hat sofort verloren und muss den Rest des Wochenendes zur Belustigung des Restes der Gruppe als negatives Beispiel herhalten. Zur Auflockerung werden bei Minusgraden die Kajaks im Garten inspiziert. Egal ob die Toggel zu kurz sind, die Kartengummis zu dünn oder zu weit weg, die Rettungsleinen nicht ausreichend, der Kompass nicht vorhanden – Udo findet mit Sicherheit bei nahezu jedem Boot etwas auszusetzen. Aber kein Problem, da schraubt man einfach noch eine Befestigungsschraube oder ähnliches in sein Boot (an dieser Stelle regelmäßig empörter Aufschrei des Bootsbesitzers) und schon steht der Seetüchtigkeit nichts mehr im Wege.
Nach einem gemeinsamen Abendessen wird noch ein Lehrfilm über Rettungsübungen angeschaut und um 21.00 Uhr ist der erste Tag erfolgreich überstanden.

Der zweite Tag startet um 08.00 Uhr im Hallenbad mit Rollen-, Rettungs- und Brandungsübungen. Rettungsübungen sind ja eher nichts ungewöhnliches. Sich jedoch im Kajak sitzend seitwärts durchs Wasser ziehen zu lassen, ohne dabei umzufallen, ist für uns alle Premiere. Hierbei soll der Seitwärtssurf vor einer Welle simuliert werden. Sobald man umfällt soll möglichst wieder hochgerollt werden, während das Boot weiterhin durch das Wasser gezogen wird. Einerseits erleichtert die Bewegung das Hochrollen, erschwert aber auch das Zurechtlegen des Paddels unter Wasser. Wer nicht unfreiwillig kentert, muss dies beim zweiten Versuch absichtlich tun, um seine Kenter- und Rollfähigkeit vor der Welle zu zeigen. Zunächst wirkt diese Übung etwas abschreckend, hat letztendlich jedoch absolutes Suchtpotenzial!
Im Anschluss an die Schwimmbadübungen werden wieder die Fahrtenplanungen, Navigation, Revierauswahl und ähnliches geübt. Auch die Analyse von Seenotfällen kommt hierbei nicht zu kurz.
Um 17.00 Uhr ist der Kurs offiziell beendet und die Kursteilnehmer sind völlig erschöpft und vollgestopft mit neuem Wissen.

Abschließend muss hier gesagt werden, dass die Zeitplanung zwar sehr eng und die Tage wirklich lang sind, Udo jedoch mit seiner unterhaltsamen Art für Kurzweile und viel Spaß sorgt. Auch die Verpflegung mit Kuchen, Kaffee und allerlei Kleinigkeiten hat keinen Wusch offengelassen!

 

2.Teil: Brandungsübungen in St.-Peter-Ording

Dieser Teil findet je nach Windlage in St.-Peter-Ording oder Neustadt Rettin statt. An unserem Wochenende im Juni war für den Samstag Ostwind und für den Sonntag Wetswind angesagt. Aus diesem Grund entschloss sich Udo kurz vorher für St.-Peter-Ording.

Am Samstag herrschte tatsächlich zunächst Ostwind, sodass wir an der Küste im Windschatten waren. Nach kurzen Trockenübungen zum Robbenstart und zur flachen und hohen Stütze ging es mit den Bootswagen zum Strand. Mit Freude bemerkten wir hier, trotz ablandigen Windes, über die gesamte Länge des Strandes eine kleine Brandungswelle, welche vermutlich durch die Flut hervorgerufen wurde.
Es stellte sich heraus, dass diese Welle zum ersten Üben perfekt war. Nicht zu groß um zu ängstigen, jedoch stark genug um ein Kajak seitlich etliche Meter an den Strand zu schieben.

Nachdem wir uns ordentlich an der Welle ausgetobt hatten, erfolgte eine Ausfahrt zum nahegelegenen Leuchtturm Westerheversand. Dort wurden Paddeltechniken gefordert, sowie Rollen- und Rettungsübungen durchgeführt. Anschließend ging es wieder zurück zu unserem Strandabschnitt. Erfreulicherweise hatte der Wind inzwischen etwas gedreht und die kleine Welle zugenommen. So konnten die Unermüdlichen während unserer Rückfahrt entlang des Strandes weiter in der Welle spielen.

Der zweite Tag begann für mich um 05.00 Uhr, da

plötzlich deutlicher Wind aufkam, der die Zelte zum Flattern brachte.
Böen mit 5 – 6 Bft machten am Strand die Kommunikation schwerer, die Aussicht auf ordentliche Wellen jedoch besser. Da der Wind erst am Morgen aufgekommen war, hielt sich die Wellenhöhe noch in Grenzen und jede Welle konnte vom Kajak aus überblickt werden. Es hatte sich jedoch eine breite Brandungszone entwickelt, die uns vor eine deutliche Herausforderung stellte. Da das Ziel des Kurses jedoch nicht das Trockenbleiben, sondern das Austesten der eigenen Grenzen sein sollte, kamen wir voll auf unsere Kosten. Nur die wenigsten blieben kenterfrei, jedoch gelang es vielen, auch mal wieder hochzurollen und so das Aussteigen aus dem Kajak zu verhindern.

Der Brandungskurs hat mich zwar an die Grenzen meiner Kraft und Fähigkeit gebracht und mir einige Tage Muskelkater beschert, aber er hat irre Spaß gemacht und verlangt auf jeden Fall nach einer Wiederholung!

 

3. Teil: Einweisungsfahrt Spiekeroog 08.08.18 bis 12.08.18

Küstenkanuwandern mit Udo ist gleichbedeutend mit Spontanität und frühem Aufstehen. Diese Erfahrung durften wir bereits auf der Anfahrt einen Tag vor dem offiziellen Kursbeginn machen. Ca. 100km vor Neuharlingersiel rief plötzlich Udo an und fragte, ob wir nicht schon bereits am Abend mitkommen wollten nach Spiekeroog, um dort -anstelle der Übernachtung auf dem Zeltplatz von Neuharlingersiel- am Strand von Spiekeroog zu biwakieren. Wir zögerten nicht lange und so wurden nach unserer Ankunft am Hafen schleunigst die Boote beladen, Pkw´s umgeparkt und wir stiegen in unsere Boote und machten uns zu fünft auf den Weg zur Insel. Dabei kamen wir unterwegs in den Genuss eines wunderschönen Sonnenunterganges und schafften es gerade noch bei Restlicht anzulanden. Nach einem schnellen Abendessen in gemütlicher Runde und dem Auslegen unserer Luftmatratzen und Schlafsäcke konnten wir kurz nach Mitternacht erschöpft auf unsere Plätze sinken und einen sternenklaren Himmel genießen. Dummerweise war die Nacht bereits um 04.00 Uhr wieder zu Ende, da plötzlich starker Wind aufgekommen war und einen Regenguss versprach.
Nach dem eiligen Verstauen der Schlafplätze erwarteten wir neben unseren Booten sitzend den Sonnenaufgang und stellten fest, dass der versprochene Regen ausblieb und auch der Wind nach zwei Stunden wieder nachließ.
Pünktlich um kurz vor 11.00 Uhr landeten wir wieder in Neuharlingersiel und trafen uns mit den restlichen Kursteilnehmern und Gästen, mit denen wir wieder in Richtung Spiekeroog aufbrachen.
Aufgrund einer angekündigten Wetterverschlechterung gelang es uns, Plätze auf dem dortigen Zeltplatz zu ergattern, sodass wir dem Wetterumschwung zumindest im Zelt entgegen sehen konnten.

Für den zweiten Tag waren 3-4 Bft Wind aus südöstlicher Richtung angekündigt, sodass sich eine Umrundung Spiekeroogs entgegen dem Uhrzeigersinn förmlich anbot. Leider hieß dies mal wieder Aufstehen um 04.00 Uhr, um vor Sonnenaufgang im Boot zu sitzen. Entschädigt wurden wir dafür mit einem wunderschönen Sonnenaufgang über dem Meer und gelegentlichen Brandungswellen an der Nordseite der Insel, die teils um- und teils durchfahren wurden. Nach einer kleinen Pause an der Ostseite von Spiekeroog wurde spontan ein Abstecher nach Harlesiel eingeplant, um von dort anschließend zurück zum Zeltplatz zu fahren. Nach entspannten 35km kamen wir mittags wieder am Ausgangspunkt an und konnten den restlichen Tag entspannt ausklingen lassen. Nachmittags schlug das Wetter jedoch endgültig um und bescherte uns Regen, Gewitter und Sonne in schneller Abfolge für die nächsten drei Tage.

Dies zwang uns am dritten Tag leider dazu, vor dem Strand zu bleiben und dort Kenter-, Rettungs-, Roll und Schleppübungen in unterschiedlichster Manier zu machen.

Der vierte Tag überraschte mit einer ordentlichen Brandung vor unserer Haustür, die Udo für Start-, Surf- und Rollübungen in der Welle nutzte.
Nach anfänglichen Motivationsschwierigkeiten aufgrund der kühlen Lufttemperaturen (ich hatte mir schon die Öffnungszeiten und Preise der Spiekerooger Sauna herausgesucht) stiegen wir in unsere Kajaks und verließen diese später wieder mit einem breiten Grinsen im Gesicht!

Am letzten Tag fuhren wir mit kleinem Umweg über die Ostseite von Langeoog zurück nach Neuharlingersiel und ließen dort bei einem Mittagsessen in der Fischereigenossenschaft den Kurs Revue passieren.

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass es sich bei diesem dreiteiligen Kurs um ein absolut empfehlenswertes Erlebnis handelt. Udo verfügt über ein immenses Fachwissen, dass er bereitwillig und auf unterhaltsame Art mit seinen Kursteilnehmern teilt!

Anika Roder, WSC Klare Lanke